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ÜBER SEX SPRECHEN!

Bist Du mit Eurer gelebten Paar-Sexualität unzufrieden, oder hast Du sogar das Gefühl, sexuell in Deiner Beziehung gar nicht richtig vorzukommen? Oder hast Du umgekehrt den Eindruck, dass Dein*e Partner*in sexuell unzufrieden ist, Du weißt aber nicht genau, was los ist? Dann kann es helfen, mal einen „Boxenstopp“ zum Thema Sexualität einzulegen. 

Viele Probleme in der partnerschaftlichen Sexualität können durch regelmäßige, konstruktive  Gespräche verbessert oder gelöst werden. 

Zudem lernt Ihr Euch durch regelmäßigen Austausch als sexuelle Wesen besser kennen und habt die Chance, immer mal wieder etwas Neues an Eure*r Partner*in zu entdecken. Das kann helfen, das erotische Feuer Eurer Beziehung immer wieder anzufachen.

Leider gibt es keine Garantie und keinen Anspruch für Wunsch-Erfüllung in der Beziehung. 

Aber ein Versuch ist es definitiv wert!

Ja, es ist nicht (immer) leicht, seine sexuellen Bedürfnisse und Wünsche mit der* Partner*in zu teilen. 

Es gehört sogar eine Menge Mut dazu. Sich mit seiner Wahrheit zu offenbaren, kann auch verletzlich machen – gerade bei einem Thema wie Sexualität, in dem es so viele negative Bilder, Schubladen, gesellschaftliche Bewertungen gibt. 

Und natürlich kann es auch passieren, dass man selbst Dinge hört, die das Potenzial für eine Kränkung haben. 

Aber wie?

Wie kann man so ein Gespräch initiieren?

Sprich Deine*n Partner*in in einer entspannten Situation – am besten nicht zwischen Tür und Angel – liebevoll an, dass Du Dich gern bald mal mit ihm / ihr zu Eurem Sexleben austauschen möchtest.

Es hilft, wenn Du Dich selbst vorher entspannst und nicht innerlich mit Vorwürfen oder Enttäuschung „aufgeladen“ bist. Versuche, all deine negativen Gedanken und Emotionen zu deiner* Partner*in oder den Problemen für einen Moment zu „parken“ – oft hilft es auch, sie richtiggehend abzuschütteln – ja, schüttel Dich ruhig mal richtig. Du wirst sehen, das kann sehr befreiend sein!

Dann verbinde Dich mit deinen Sehnsüchten rund um Eure Sexualität. Und mit dem positiven Gefühl, das du Dir davon erhoffst, wenn Deine Bedürfnisse erfüllt sind. Stell es Dir vor wie es sich anfühlen würde, wenn die Veränderung schon eingetreten wäre.

Und dann werde Dir bewusst, was das Ziel dieses Gesprächs für Dich ist. Vermutlich wird Dich auch Dein*e Partner*in danach fragen.

Eventuell ist das Thema bereits etwas vorbelastet oder konfliktär? Dann sei besonders achtsam in Deiner Kommunikation und formuliere die Einladung zum Gespräch wirklich als Einladung. Je mehr Leichtigkeit, Humor und Interesse am anderen in die Einladung und das Gespräch selbst einfließen, desto besser wird das Ergebnis.

Reserviert Euch einen verbindlichen Termin für das Gespräch in möglichst ungestörter Atmosphäre. Widersteht der Versuchung, sofort ins Thema einzusteigen. 

Macht Euch bewusst, dass dieses Gespräch lediglich der Auftakt für eine Konversation über Eure geteilte Sexualität sein kann. Nicht alle Aspekte können oder müssen hier direkt gelöst werden. Manche Themen brauchen einfach Zeit oder mehrere Runden.

Es hilft, wenn Ihr Euch für ein solches Gespräch eine erprobte Struktur gebt, um nicht in Vorwürfe oder ggfs. bestehende Konfliktmuster zu verfallen.

Eine mögliche Struktur für Euer Gespräch – Euren erotischen Boxenstopp –  könnte so aussehen: 

Gebt Euch einen festen Zeitrahmen – zum Beispiel 30 Minuten. 

Jeder hat darin 10 Minuten uneingeschränkte Redezeit. Der andere hört in dieser Zeit nur zu, kommentiert nicht, wertet nicht (auch kein Augenrollen), stellt keine Fragen (außer Verständnisfragen). Vorwürfe sind in dieser Übung verboten. 

Das ist am Anfang nicht leicht, aber versucht, Euch wirklich daran zu halten. 

Dann wird getauscht. Vielleicht macht Ihr dazwischen eine kleine Verschnaufpause. Schaut, was für Euch passt.

Besprecht danach gemeinsam, ob Ihr das Gehörte erstmal sacken lassen wollt oder ob Ihr Euch direkt dazu austauschen möchtet. Versucht auch hier, nicht in die Defensive zu geraten, sondern bei Euch zu bleiben und dem, was die Worte des anderen in Euch ausgelöst haben (mehr dazu siehe unten).

Wie sag ich’s?

 – Bereite Dich vor! Überleg Dir vorher, was Deine Intention für das Gespräch und was Deine wichtigste Botschaft an Deinen Partner ist. Konzentriere Dich darauf. Zu viele Wünsche, Themen, Probleme in einem Gespräch können schnell überfordernd wirken. Tastet Euch langsam ran an diese aufregende Konversation. Mutet Euch beim ersten Mal nicht zu viel zu.

 – Wenn Du sprichst, wähle Ich-Botschaften (also z.B. „Ich sehne mich nach…“, „Ich fühle mich in der Situation XY häufig … „). Beziehe Dich auf Deine Bedürfnisse und Emotionen, nicht in erster Linie auf das Verhalten des Partners.

 – Mach Dir klar, dass Dein*e Partner*in ein eigenständiges sexuelles Wesen ist (genau wie du), mit eigenem sexuellem „Profil“, individuellen Erfahrungen, Vorlieben und Tabus. Und das ist ok, auch wenn Du ganz anders tickst zu dem Thema.

 – Versuche einen liebevollen Raum für Euer Gespräch zu erschaffen, der sich außerhalb der Kategorien „Richtig“ oder „Falsch“ befindet. Du wirst überrascht sein, wie viel mehr hier plötzlich möglich wird.

Häufig sind Gespräche über die partnerschaftliche Sexualität heikel und konfliktär. Der Grund: 

  • Sich offen und authentisch zu seinen sexuellen Bedürfnissen zu zeigen, macht verletzlich. Was ist zum Beispiel, wenn mein* Partner*in, das was ich sage komisch oder abstoßend findet? 
  • Wenn es beim Sex nicht so richtig rund läuft oder ein*e Partner*in Unzufriedenheit signalisiert, kommen schnell Verlustängste auf. Das ist normal. Wichtig ist, sich dessen bewusst zu sein. 

Daher ist es sehr hilfreich, wenn es Euch gelingt, einen Rahmen von Sicherheit und Verbundenheit für das Gespräch zu schaffen. Du kannst dazu beitragen, in dem Du zu Beginn z.B. explizit Dein Interesse an Eurer Beziehung und Deine Verbundenheit zu Deine*m Partner*in zum Ausdruck bringst (was auch immer an Worten für Dich stimmig ist). 

Beginne inhaltlich auf jeden Fall mit dem Teil, der Dir gut gefällt. Das tut dem Gespräch unheimlich gut.

Sollte es tatsächlich nichts geben, das Dir an Eurem Sexualleben gut gefällt, beziehe Dich auf andere positive Aspekte Deine*r Partner*in, darauf was Du an ihm / ihr liebst und schätzt (z.B. an seinem Körper, ihrer Sinnlichkeit, seinen Kochkünsten, ihrer Zärtlichkeit…).

Eine bewährte inhaltliche Struktur für das Gespräch ist die folgende – nimm sie als Anregung und such Dir aus was passt:

  1. Was findest Du toll an Eurem Sexleben? Was macht Dich richtig heiß? Was schätzt Du besonders an Deine*r Partner*in als Liebhaber*in? Wofür bist Du dankbar? Wovon möchtest Du gern noch mehr? 
  2. Gibt es etwas, das du gerne anders machen oder erleben würdest? Wenn ja, warum? Welche Emotionen, Sehnsüchte oder Gedanken sind damit verbunden? 
  3. Gibt es Dinge, die Du gern mal ausprobieren würdest? Gibt es Sehnsüchte, von denen Dein Partner vielleicht bislang nichts wusste, die Du aber gern teilen würdest? Wie wichtig ist Dir das?
  4. Hast du noch Fragen, die Du Deine*m Partner*in mitgeben möchtest? Dinge, die Du gern über ihre / seine Sexualität erfahren würdest? Worauf bist Du neugierig?

Bevor Du in das Gespräch gehst:

Nimm Dir einen ungestörten Moment, um Dich zu sammeln. Wenn Du merkst, dass Du sehr emotional oder angespannt bist, probier diese kleine Übung:

  • Stell dich mit beiden Füßen fest auf den Boden (Knie minimal gebeugt).
  • Nimm ein paar tiefe Atemzüge; atme durch den geöffneten Mund aus, evtl mit einem Seufzen oder Ton.
  • Bewege Deinen Körper, schlenkere z.B. mit den Armen hin und her, lockere die Beine, streck Dich o.ä.
  • Dann erlaub Dir, alle Emotionen und Gedanken die gerade da sind, für einen Moment ganz bewusst zu spüren und wahrzunehmen. Atme dabei tief ein und aus.
  • Und dann stell Dir vor, wie Du alle Gedanken, Emotionen, Erinnerungen und Vorwürfe rund um Euer Thema einmal komplett von Dir abschüttelst. Schüttel Deinen ganzen Körper, beweg Arme und Beine, mach gern ein paar Grimassen, streck die Zunge raus. Übertreib es ruhig ein bisschen.
  • Dann komm langsam zur Ruhe. Atme nochmal tief ein und aus. Lächle.
  • Und nun überleg Dir, was Du Dir ganz konkret für die Sexualität in Eurer Beziehung wünschst. Mal es Dir in den schönsten Farben in Deinem Kopf aus. Fühle, wie sich das anfühlen würde, wenn es Realität werden würde.  
  • Wie willst Du Dich in Eurer partnerschaftlichen Sexualität künftig fühlen? Gesehen, angenommen, befriedigt, aufgeregt, angetörnt, sicher…..? Nimm Kontakt zu diesem Gefühl auf, erlaub Dir es schon jetzt zu spüren.

Und dann geh in das Gespräch.

Hinterher:

Reflektiert gemeinsam: Wie war diese Übung für Euch? Was hat gut funktioniert, was weniger? 

Wie wollt Ihr mit dem Gehörten inhaltlich umgehen? Erstmal setzen lassen? Gleich darüber reden? 

Auch wenn Ihr gleich darüber sprecht, bleibt auch hier bei Euch – was habt Ihr gehört und interpretiert? Was haben die Worte des anderen in Euch ausgelöst, an Gedanken, Emotionen, Fragen?

Zum Beispiel: „Als ich eben … gehört habe, hat das in mir .. ausgelöst.“

Von diesem Punkt aus werden sich vermutlich wichtige Fragen zeigen, lassen sich mögliche Missverständnisse klären, Lösungen brainstormen…

Und Ihr habt einen ersten wichtigen Schritt gemacht, um Euer Sexleben weiter zu entwickeln – für eine lustvolle Zukunft. 

Sollte es Euch schwerfallen, konstruktiv über Eure Sexualität zu sprechen, ohne in destruktive Konfliktmuster zu verfallen, oder solltet Ihr alleine bei einem Thema nicht weiterkommen, empfehle ich Euch, Euch Unterstützung durch eine*n Paartherapeut*in zu suchen. 

Wenn Du mit Deinem gelebten Sexualleben unzufrieden bist, das Thema jedoch im ersten Schritt ohne Partner*in, für Dich selbst, bearbeiten möchtest und Dir dabei professionelle Unterstützung wünschst, melde Dich gern bei mir. Ich unterstütze Einzelpersonen in intensivem 1:1 Coaching bei allen Themen rund um die eigene Sexualität. Mehr unter www.annejost.de.

VIEL ERFOLG!

Ich freue mich darauf Dich kennen zu lernen!

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